Was ist Typ 2 – Diabetes ?

Es handelt sich um eine chronisch progrediente (fortschreitende) Erkrankung. Zugrunde liegende Ursachen sind: Übergewicht, Bewegungsmangel, Umweltfaktoren, genetische Faktoren. Übergewicht und mangelnde Bewegung führen dazu, daß Insulin seine Wirkung an der Zelle verliert, die Zelle wird Insulin resistent. Ab einem Nüchternblutzuckerwert über 126 mg/dl im Plasma bzw. über 110 mg/dl im Kapillarblut (Blut aus der Fingerbeere) spricht man von Diabetes mellitus. Liegt der Blutzucker zu irgendeinem Zeitpunkt, ohne Berücksichtigung des zeitlichen Zusammenhangs zur Nahrungsaufnahme über 200 mg/dl ist ebenfalls die Diagnose Diabetes zu stellen. Bei unklaren Befunden ist ein oraler Glucosebelastungstest durchzuführen. Hier handelt es sich um eine einmalige Zucker-Belastung durch Trinken einer Zuckerlösung. Durch Bestimmung des Blutzuckerwertes vor und 2 Stunden nach Aufnahme der Zuckerlösung kann die Diagnose Diabetes bzw. der Ausschluss dieser Erkrankung sicher gestellt werden.

Bei Befunden im Graubereich spricht man von „ gestörter Glucosetoleranz “. Patienten mit einer gestörten Glukosetoleranz haben ein großes Diabetesrisiko.

Symptome

Meist wird die Diagnose Diabetes zu spät gestellt, da erste Symptome wie Durstgefühl, häufiges Wasserlassen, verminderte Leistungsfähigkeit, Konzentrations- und Sehstörungen sowie Gewichtsabnahme häufig nicht als Ausdruck einer Erkrankung wahrgenommen werden. Man spricht von einem schleichenden Beginn der Erkrankung. In der Frühphase der Erkrankung sind meist nur die Blutzuckerwerte nach dem Essen erhöht. Später sind dann auch erhöhte Nüchternblutzuckerwerte zu finden.

Aufgrund der häufig späten Diagnosestellung liegen zu diesem Zeitpunkt der Diagnose meist bereits Folgeerkrankungen des Diabetes vor.

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Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig und individuell zu gestalten. Die drei Säulen der Therapie sind

  • gesunde Ernährung
  • ausreichende körperliche Bewegung und
  • Medikamente

Ernährung und Typ 2 Diabetes

90 Prozent aller Typ 2 – Diabetiker sind übergewichtig und das Übergewicht ist eine der wesentlichen Ursachen daß diese Menschen an Typ 2 Diabetes erkranken. Daraus ergibt sich die große Bedeutung der Ernährungsumstellung bei Diabetes mellitus Typ 2.

Die Nahrung setzt sich aus Kohlehydraten, Eiweiß, Fett, Mineralstoffen und Vitaminen zusammen. In den meisten Fällen ist eine zu hohe Kalorienzufuhr bei ungenügender Bewegung schuld am Übergewicht. Es werden mehr Kalorien zugeführt als benötigt werden. Die überschüssige Energiezufuhr wird als Fettdepot abgelagert.

Die Empfehlungen der Deutschen Diabetesgesellschaft lauten: Die breite Basis stellen die Kohlenhydrate dar (Kartoffeln, Brot, Nudeln, Reis). Hier wiederum sind Kohlenhydrate mit langsamer Blutzuckerwirksamkeit (niedrigem glykämischen Index) zu bevorzugen. Kohlenhydrate, die langsam den Blutzucker steigern, sind z.B. Vollkornprodukte.

Die Kost ist generell ballaststoffreich zu gestalten. Dies wird durch eine Steigerung der Zufuhr von Gemüse, insbesondere als Rohkost / Salate erzielt.

Der Eiweißgehalt der Nahrung soll nur bei 1 g/kg Körpergewicht liegen. In Deutschland liegt die tägliche Eiweißzufuhr im Durchschnitt darüber. Pflanzliche Eiweiße (z.B. Soja) sollten den tierischen Eiweißen (z.B. Milch, Fleisch) vorgezogen werden. Fisch, als Eiweiß- und Jodlieferant, sollte 2 x pro Woche gegessen werden. Desweiteren erhöht der Omega – 3 – Fettsäuregehalt von Seefisch den Wert dieser Ernährungsweise zusätzlich.

Der Fettgehalt der Nahrung ist mit maximal 30 Prozent drastisch einzuschränken. Zu bevorzugen sind ungesättigte Fettsäuren und hier wiederum die einfach ungesättigten (z.B. Olivenöl, Rapsöl).

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Medikamente zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2

Metformin (z.B. Glucophage®, Diabetase®): Bei Übergewicht ist Metformin sinnvoll. Dies ist durch große Studien ausreichend belegt (UKPDS = United Kingdom Prospective Study). Beachtet werden müssen hier jedoch die Kontraindikationen. Nicht gegeben werden darf Metformin bei Leber– und Nierenerkrankungen, allen Zuständen mit Sauerstoffmangel und zu geringer Kalorienzufuhr. Das Medikament muß bei geplanter Röntgendiagnostik (Kontrastmittelbelastung), Operationen und akuten Erkrankungen pausiert werden.

Metformin fördert die Gewichtsabnahme, verbessert die Situation bei Insulinresistenz (verminderter Wirkung des Insulins), hemmt die Zuckerneubildung der Leber und vermindert die Zuckeraufnahme aus dem Darm. Bei zu schneller Dosissteigerung oder Unverträglichkeit können Magen- und Darmprobleme (Durchfälle) auftreten. Unterzuckerungen sind unter diesem Medikament nicht zu befürchten.

Sulfonylharnstoffe: Diese Substanzgruppe wirkt über eine Stimulation der insulinproduzierenden Zellen. Dementsprechend können bei zu hoher Dosis Unterzuckerungssymptome auftreten (z.B. Euglucon® oder Amaryl®). Die einzelnen Substanzen unterscheiden sich durch die Dauer der Insulin-stimulierenden Wirkung. So ist z.B. Amaryl® ein sehr lange wirksamer Sulfonylharnstoff. Problematisch ist eine Gewichtszunahme unter diesen Medikamenten. Bei Einschränkung der Nierenfunktion dürfen Sulfonylharnstoffe bis auf eine Ausnahme nicht eingesetzt werden.

Glinide (z.B. Starlix®,Novonorm®) sind kurzwirksame blutzuckersenkende Medikamente mit einem Wirkmechanismus vergleichbar den Sulfonylharnstoffen. Wegen der nur kurzzeitigen Stimulation der insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse sind Unterzuckerungen weniger zu befürchten als unter den Sulfonylharnstoffen.

Acarbose (Glucobay®) vermindert insbesondere den Anstieg der Blutzuckerwerte nach der Mahlzeit (Zuckeraufnahme aus dem Darm herabgesetzt). Als unangenehme Nebenwirkungen können Blähungen und Durchfall auftreten. Unterzuckerungen können bei alleiniger Gabe nicht aufteten.

Glitazone = Insulinsensitizer (Avandia®, Actos®) vermindern die Insulinresistenz, d.h. Insulin wirkt besser an der Leber, Muskulatur und am Fettgewebe. Die bessere Wirkung am Fettgewebe führt andererseits zu einer Zunahme von Unterhautfettgewebe. Eine Gewichtszunahme ist daher nicht selten. Eine Kombination mit Insulin ist in Deutschland nicht zugelassen. Desweiteren darf diese Substanzgruppe nicht bei Herzschwäche zum Einsatz kommen, da es zu vermehrter Wassereinlagerung (Ödembildung) kommen kann.

Insulin: In der Regel wirken die aufgeführten Medikament nur für einen beschränkten Zeitraum. Regelhaft kommt es im Verlauf der Erkrankung zur „Erschöpfung“ der Bauchspeicheldrüse. Die Bauchspeicheldrüse kann dann nicht mehr ausreichend Insulin produzieren und Insulin muss von aussen durch die Haut (subcutan) zugeführt werden. Die verschiedenen Möglichkeiten der Insulintherapie orientieren sich am Bedarf und den Möglichkeiten des Patienten.

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