Interkulturelle Kompetenz

Konzepte der Patientenbetreuung gehen vom „informierten Patienten“ aus. Der Diskurs zwischen Patient und Arzt findet auf gleichberechtigter Ebene statt. Die Betreuung von Patienten mit chronischen Erkrankungen zielt auf das „Self Empowerment“ des Patienten ab. Die Effektivität der diagnostisch/therapeutischen Anstrengungen hängt von dem Ausmaß ab, in dem der Patient sich selbst als einen aktiven Part in der Entwicklung der Behandlungsstrategien wahrnimmt und einbringt.

Das Konzept setzt eine erfolgreiche Kommunikation zwischen Arzt und Patient voraus. Erweist sich dies bereits im deutschen Alltag als nicht immer einfach, so kommt das medizinische Fachpersonal bei Patienten mit Migrationshintergrund häufig an Grenzen, die die Umsatzmarke dieser Konzepte erschweren und die effektive medizinische Betreuung verhindern.

Hierbei ist eine sorgfältige Differenzierung der Problematik erforderlich um die „Pathologisierung des Fremden“ zu vermeiden. Wird das Gesundheitsverhalten eines Patienten mit Migrationshintergrund ausschließlich als kulturell determiniert aufgefasst, so werden Kommunikationsprobleme (linguistische als auch kulturelle) sowie Übersetzungsprobleme vordergründig und die Wahrnehmung der Segregation und kulturellen Differenz werden verstärkt. Dies kann zu Stereotypisierung Anlass geben, während andere wichtige Determinanten wie die soziokulturellen und individuellen biografischen Faktoren nicht berücksichtigt werden. Während auf der einen Seite kulturelle Kompetenz zweifelsohne gefordert ist, muss andererseits wahrgenommen werden, dass es darüber hinaus grundlegendere und individuell wesentlichere Komponenten für das Verständnis des Lebens des Patienten gibt als kulturelle Kompetenz. „and this is the moral meaning of suffering –what is at stake fort he patient; what the patient, at a deep level, stands to gain or loose (Kleinmann und Benson 2006).  

Die Mitarbeiter des Gesundheitswesens sind daher gefordert, die Betreuung von Patient mit kulturellem Hintergrund aus verschiedensten ethnischen Bereichen in hoher Qualität und mit dem Ziel vergleichbarer therapeutischer Ergebnisse zur einheimischen Population umzusetzen. In der alltäglichen Arbeit lassen sich dabei viele Probleme erkennen.

Vor dem Hintergrund dieser alltäglichen Erfahrung haben die Mitarbeiter des Stoffwechselzentrums ein Projekt zur interkulturellen Kompetenz entwickelt. Seit 2009 werden die im Interdisziplinären Stoffwechselzentrums erhobenen Daten unter dem Aspekt der kulturellen Differenzierung analysiert, die Ergebnisse gehen in die Betreuungskonzepte ein.

Darüber hinaus wurden die Aktivitäten zur interkulturellen Schulung der Mitarbeiter intensiviert, das Vorgehen in einem Handbuch „Interkulturelles Training für medizinisches Personal, ein Leitfaden“, sowie in der Protokollierung der Trainingseinheiten zusammengefasst.

Die Publikationen stehen für Interessenten zur Verfügung. Bei Interesse am Handbuch „Interkulturelles Training für medizinisches Personal, ein Leitfaden“ sowie der Dokumentation der Trainingseinheiten bitten wir um Kontaktaufnahme.

Publikationen

  • Plöckinger U, Stephan U, Ferchland J. Cardiovascular Outcome of Diabetes Management in the Immigrant Population in Germany. In preparation 2013.
  • Dilger HJ, Leissner E, Bosanska L, Lampe C, Beck M, Plöckinger U. Illness Perceptions and Clinical Treatment Experiences in Patients with M. Maroteaux-Lamy (Mucopolysaccharidosis Type VI) and a Turkish Migration Background in Germany, PlosONE. 2013, 24, 8, e466804.
  • Plöckinger U, Topuz M, Langer M, Reuter T. Problems of Diabetes Management in the Immigrant Population in Germany, Diabetes Research and Clinical Practice. 2009, 87, 77-86.

Handbücher

U. Plöckinger, V. Tatum, S. Andjelkovic. Interkulturelles Training für medizinisches Personal, ein Leitfaden. 2012 

Andjelkovic S, Plöckinger U. Training Interkulturelle Kompetenz - Interdisziplinäres Stoffwechsel-Centrum, Universitätsmedizin Charité. 2013 

Forschungsdatenbank

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